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25. – 27. August 2017: Freitag: Mit der Bahn reisen wir nach Blatten, dank dem Lötschbergtunnel in 4 ½ Stunden, dank einer Coop Tageskarten-Aktion für CHF 49. Die Luftseilbahn bringt uns rasch auf die Belalp, wo wir durchs Dorf spazieren und auf der Panorama-Terrasse des stilvoll renovierten Hotels Belalp Walliser Käseschnitte und andere feine Sachen geniessen. Von fern, in frischem Weiss, leuchten und locken Weisshorn, Mischabel, Horu und Konsorten. Gestärkt marschieren wir in 3 h 25 min durch die fantastische, immer wilder werdende Landschaft zur Oberaletschütte. Einträchtig flattern dort Walliser- und Urner Fahne im Wind. Der Hüttenwart, ein Ürner eben, heisst Richi.

Angesichts des morgigen Ziels, welches sich stolz und mächtig präsentiert, gehen manche Gedanken durch die Köpfe. Die auf solchen Touren übliche Spannung meldet sich zuverlässig auch an diesem Berg. Vor dem zu Bett gehen würde noch die Wetterprognose interessieren. No Connection. Doch Richi hat Hütten-Internet. Die Prognose beruhigend: Kein Glanztag zwar, hohe Wolkenfelder, aber kein Niederschlag und noch wichtiger, keine Gewitter sind angesagt.

So kriechen wir noch vor der Hüttenruhe unter die Wolldecken. Die Oberaletschütte ist von altem Schrot und Korn, was unser Behagen aber keineswegs schmälert, im Gegenteil.

Samstag: 1 Uhr 45 wecken, 2 Uhr Frühstück, 2 Uhr 45 Abmarsch, hinein in die mondlose, stockfinstere Nacht. Wobei der Marsch vorerst kurz ist und bald in den senkrechten Leiternabstieg zum Gletscher hinab übergeht. Wenn wir zurückkommen werden vom Berg, wird diese steile, fast 200 Hm-Gegensteigung dann noch das Dessert sein. An Fixseilen hangeln wir uns die letzten Meter auf den Gletscher hinunter. Obwohl, vom Gletscher ist da wenig zusehen. Das Eis verbirgt sich unter einer massiven Schuttschicht und es gibt Hügel und Gräben. So schaukeln wir in dieser mondlosen Nacht wie leicht betrunken dem Berg entgegen. Nicht auszudenken, wie schwierig die Wegfindung wäre, ohne die in vernünftigen Abständen gestellten Reflektorstangen. Irgendwann taucht die steile Moräne vor uns auf, die es zu überwinden gilt, um an die Flanke des Aletschorns zu kommen. Noch 2011 führte hier ein angenehmes Weglein hinauf. Alles weg. Anstelle zweier kleiner Gletscherseen gibt es jetzt gfürchige grosse Löcher, in denen rauschende Bäche verschwinden. Sie haben viel Moränenmaterial mitgerissen und damit auch den bequemen Pfad verschlungen. Mit Pickeleinsatz, Scharren und etwas Schimpfen, überwinden wir die Stelle. Dann weiter im Schein der Stirnlampen, bis ein weiterer Reflektor den Einstieg ins Couloir markiert, durch welches wir auf den langen Blockgrat gelangen. Auch hier bleibt das Gelände noch unschwierig, jedoch mühsam. Endlich bricht der Tag an. 3 ½ Stunden sind wir unterwegs, als wir ans Ende des Blockgrats gelangen. Wir sind genau in der Führerzeit. Kurze Rast, Steigeisen montieren, anseilen, Pickel in die Hand. Wir wären bereit, das hübsche Eiswändchen zum Gletscher anzugehen. Aber was ist bloss mit dem Wetter los? Auch hier keine Handy-Connection zur Konsultation des Wetterberichts. Von Südwesten braust eine Regenfront daher. In voller Goretexmontur beschliessen wir, vorerst noch etwas zu warten. Das Wetter macht ein wenig hin und her. Nochmals starker Regen, verbunden mit stürmischem Wind. Unser momentaner Standort ist windgeschützt und macht das ganze erträglich. Es scheint nicht zu bessern. Bald eine Stunde sind wir hier. Also umkehren. Dann, innerhalb von Minuten reisst es auf und wir sehen blauen Himmel und die angesagten hohen Wolkenfelder. So steigen wir weiter. Zumindest die nächsten 1 ½ Stunden über den Gletscher, bis zum Anfang des Rinnensystems, können wir gut gehen und schauen, wie sich die Lage entwickelt. Immer mehr drückt die Sonne durch, vertreibt die Kälte und hebt unsere Moral.

Der weitere Aufstieg zum Gipfel geht gut von Statten. Anfangs über mühsamen zu spurenden Schnee und dann durch kombiniertes Gelände, sind die letzten 500 H mit Steigeisen zu überwinden. Das ist etwas streng und auch die dünne Luft macht sich bemerkbar. Alle ca. 25 - 30 m sind massive Stangen verankert, an denen wir nötigenfalls sichern können. Um 12 Uhr stehen wir auf dem Gipfel.

Einige Wolken ziehen umher, trotzdem lässt sich mancher prominente Nachbar blicken. Und weit weg und weit unten sehen wir auch die Oberaletschhütte. Für den Abstieg wählen wir die Methode Gruppenabseilen, was sehr sicher ist, aber doch auch ordentlich Zeit kostet, da die Stangenabstände nicht immer passen. So erreichen wir den Gletscher. Plötzlich ist die Luft elektrisch geladen. So schnell wie möglich streben wir zum Gletscherende, wo eine grosse Mulde Schutz bietet und wir das Gröbste vorüberziehen lassen können.

Nun gilt es, über den Blockgrat abzusteigen. Der trocken so traumhaft griffige Granit präsentiert sich wegen der nassen schwarzen Flechten ekelhaft schmierseifig. So ist die Balance schwer zu halten beim Turnen über die Felsen. Noch einmal liegt Ladung in der Luft und zwingt uns, abseits des Gratrückens, zu einer Pause. Endlich können wir weiter absteigen. Nach Überwindung der unangenehmen Moräne stehen wir wieder auf dem Gletscher. Gut zwei Kilometer Geröllmarsch bringen uns an den Fuss des steilen Aufstiegs zur Hütte. Die ersten paar Meter an den Fixseilen hoch hangeln, dann konzentriert über Leitern und den seilgesicherten Steig, Schritt für Schritt, das braucht nochmals ordentlich Pfuus. Endlich stehen wir, kurz vor 21 Uhr oder nach 18 Stunden, müde aber froh vor der Hütte. (Eine Zweierseilschaft brauchte Vortag, bei gutem Wetter, auch nur eine Stunde weniger lang als wir.) Selbst zu dieser späten Stunde werden wir noch mit dem vollen Abendmenü verwöhnt. Danke Richi! Gerne schlüpfen alle danach unter die Wolldecken.

Sonntag: Nach gemütlichem Aufstehen und um 7 Uhr z'mörgele. Dann nehmen wir den landschaftlich so schönen Rückweg zur Belalp unter die Sohlen. Dank der Gegensteigungen dauert der Hüttenweg in umgekehrter Richtung fast gleich lang wie der Aufstieg. Was uns aber an diesem Tag nicht bekümmert. Seilbahn, Postauto und Bahn bringen uns heimwärts, wobei wir das eher zweifelhafte Vergnügen haben, einen Teil der Strecke neben der Spielecke zu reisen.

Dabei waren: Jürg (TL), Magali, Ruth, Stefan, Peter, Petra, Beni.

PS: Weil sie noch am Samstag nach Hause zurückkehren mussten, haben Petra und Beni die Gruppe bereits während dem Abstieg vom Aletschorn verlassen und sind, ohne Umweg via Hütte, direkt über den Gletscher und die Gegensteigungen zur Belalp abgestiegen, wo sie die Seilbahn um 22 Uhr erreichten. Petra: "Es hät sich no kle zoga".

PPS: Nachher weiss es auch Meteoschweiz genauer: "Tagsüber labilisierte sich die Luftmasse aufgrund der kräftigen, bodennahen Aufheizung zusätzlich, was am Nachmittag erneut Schauer und Gewitter zur Folge hatte. Hauptsächlich davon betroffen war ein Gebiet, welches sich vom Lötschental über das Aletschgebiet bis in Goms erstreckte und bis ins obere Maggiagebiet reichte.


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